Ethnographische Beobachtung Beispiel Essay

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung Ethnografie

3 Feldforschung
3.1 Historie
3.2 Allgemeines

4 Teilnehmende Beobachtung
4.1 Allgemeines/Merkmale
4.2 Phasen
4.3 Zugang zum Feld
4.4 Probleme und Risiken

5 Merkmale und Fähigkeiten eines Feldforschers

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Monographien

1 Einleitung

Im Sinne der rekonstruktiven Sozialforschung stellt die teilnehmende Beobachtung im Rahmen der Feldforschung eine bedeutende Methode dar. Die Forschungspraxis und das Erfahrungswissen, welche methodisch und durch Alltagswissen erlernt werden, spielen eine zentrale Rolle. Ebenfalls sind diese Aspekte in der teilnehmenden Beobachtung und in der Feldforschung wiederzufinden. Anhand von Beobachtungsprotokollen oder anderen Aufzeichnungen, die während der teilnehmenden Beobachtung erhoben werden, kann die Handlungspraxis rekonstruiert werden.[1] In Kapitel 2 wird der Begriff der Ethnografie dargestellt und geklärt. Aufgrund des Wandels der teilnehmenden Beobachtung, ist dieser Terminus als zentral zu werten und wird daher näher beleuchtet. Im Anschluss wird sich der Historie und den Merkmalen der Feldforschung in Kapitel 3 gewidmet. Darauf folgt Kapitel 4 mit dem Schwerpunktthema dieser Hausarbeit, der teilnehmenden Beobachtung. Zuerst wird mit allgemeinen Punkte und Merkmalen ein Grundverständnis der Methode geschaffen. Anschließend werden mehrere Phasenmodelle kurz dargestellt und miteinander verglichen. Der dritte Teil des Kapitels beschäftigt sich mit der Phase des Feldzugangs, welche am Anfang des Forschungsprozesses steht. Im letzten Teil des Kapitels werden Probleme und Risiken, die die teilnehmende Beobachtung mit sich bringt, aufgezeigt. Den letzten Teil dieser Hausarbeit stellt Kapitel 5 dar. Hier werden diverse Fähigkeiten und Merkmale, die ein Forscher, wenn er sich für die teilnehmende Beobachtung entscheidet, mitbringen sollte um erfolgreich zu sein. Abschließend folgt das Fazit, in dem die wesentlichen Aspekte zusammengefasst werden. Die zentralen Fragstellungen die dieser Hausarbeit zu Grunde liegen, lauten wie folgt: Wie gestaltet sich die teilnehmende Beobachtung und welche Probleme können entstehen? Was sollte ein guter Forscher mit sich bringen?

2 Begriffsklärung Ethnografie

In dieser Hausarbeit werden mehrere zentrale Begriffe der Feldforschung aufgegriffen. Um ein besseres Verständnis von der Feldforschung zu erlangen, ist es notwendig den Terminus der Ethnografie vorzustellen. Zwar könnte man auch Begrifflichkeiten wie Beobachtung oder teilnehmend klären, jedoch sind diese weitestgehend bekannt und leicht zugänglich.

Ethnografie meint ein Forschungsprogramm, das darauf abzielt, andere Lebensweisen, Lebensformen, Lebensstile sozusagen ,von innen` her zu verstehen, d.h. ,fremde Welten` auf ihren Eigen-Sinn hin zu erkunden“.[2] Dieses Zitat fasst in aller Kürze sehr gut zusammen was mit Ethnografie gemeint ist und auf was diese abzielt. Für Lüders hat die Ethnografie zum Ziel die Frage zu beleuchten, wie die jeweiligen Realitäten praktisch geschaffen werden, was sich mit dem eingangs vorgestellten Zitat deckt.[3] Allerdings weist Hünersdorf darauf hin, dass der ethnografischen Forschung kein eindeutiges Klassifikationsschema zugrunde liegt. Eine klare Abgrenzung zur Ethnomethodologie, welche sich mit den Alltag der Menschen und deren Handlungsregeln beschäftigt, der biographischen Forschung oder der Diskursanalyse ist nicht möglich. Selbst die quantitativen Methoden sind mit Ethnografie verbunden, da diese Verwendung in der ethnografischen Forschung finden.[4] Nach Tenorth und Tippelt hat die Ethnografie ihren Ursprung in der Ethnologie.[5] Unter Ethnologie ist eine Wissenschaft zu verstehen, welche menschliches Verhalten untersucht und zwar kulturgeprägte fremde Verhaltensweisen.[6] Es gibt viele Arten von Ethnografien, wobei hier lediglich drei genannt und kurz vorgestellt werden, die abweichende Erkenntnisinteressen verfolgen. Bei der exotischen Ethnografie liegt der Fokus auf dem konkreten Einzelfall und die Besonderheit des untersuchten Feldes soll herausgestellt werden. Im Gegensatz zur exotischen Ethnografie verfolgt die komparative Ethnografie ein anderes Erkenntnisziel. Hierbei geht es um die Pointierung struktureller Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten unter Betrachtung völlig verschiedenartiger Felder. Als drittes ist die semantische Ethnografie zu nennen, welche Kulturfelder erschließt und ihren Fokus auf historische und strukturelle Gesichtspunkte legt.[7] Weiterhin halten Flick und andere markante Merkmale der ethnografischen Forschung fest. Die lange Teilnahme des Forschers, die Ethnographie als formbare Forschungsstrategie und das ethnografische Schreiben.[8] Ebenso macht Bohnsack darauf aufmerksam, dass allen Variationen der Ethnografie die intensive und lang anhaltende Teilnahme des Forschers am Feld teilen. Des Weiteren zeichnet sich die Ethnografie dadurch aus, dass Ethnografen triangulierend agieren, wobei hauptsächlich nicht-standardisierte Verfahren genutzt werden.[9]

3 Feldforschung

Das folgende Kapitel thematisiert die qualitative Feldforschung. Dazu werden eingangs die Geschichte und die Entwicklung der Feldforschung kurz dargestellt. Darauf folgen allgemeine Punkte zur Feldforschung.

3.1 Historie

Die Geschichte der Feldforschung wird im Folgenden kurz dargestellt, um einen thematischen Einstieg zu gewährleisten und um sich über die Entwicklung der Feldforschung klar zu werden.

Ein genaues Datum der Geburtsstunde der Feldforschung lässt sich nicht festsetzen. Allerdings lässt sich generell festhalten, dass sich die Feldforschung im Zuge der Exploration neuer Völker, Stämme und Kulturen entwickelte. Die ersten Berichte ethnographischer Art beruhten auf Expeditionsteilnehmern, Missionaren, Kolonialisten und Reisenden. Diese Personengruppen erstellten erstmals Berichte, gewannen Informationen und gaben diese der europäischen Öffentlichkeit bekannt.[10] Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Feldforschung vornehmlich durch Malinowski im Bereich der Ethnologie entwickelt und begründet. Aufgrund dessen wird die Feldforschung oder auch Field Research genannt, des Öfteren als ethnografische Methode betitelt.[11] Bronislaw Malinowski verweilte 19 Monate auf den Trobiandinseln und lebte dort unter den Einheimischen. Er nahm am Leben der Einheimischen teil, eignete sich deren Sprache an und studierte sowohl deren Lebenswelt als auch deren Lebensstil. Zudem dokumentierte er all seine Beobachtungen für spätere Auswertungen und schuf somit das markante Feldforschungs-Paradigma mit der teilnehmenden Beobachtung. Herausragend war seine Vorgehensweise insofern, als das er die kulturellen Einzigartigkeiten niemals separiert ansah, sondern sie in Verbindung mit einander setzte und schließlich in einen großen Kontext einband. Malinowski integrierte damit Feldforschung und Theoriebildung, welche sich bis zu diesem Zeitpunkt größtenteils separat voneinander herangebildet hatten. Für die weitere Entwicklung der ethnographischen Feldforschung waren die amerikanischen Arbeiten essentiell. In Amerika war das Thema der Völkerkunde viel brisanter und aktueller als in Europa, woher sich die verstärkte Auseinandersetzung mit ethnographischen Methoden erklären lässt.[12] Allen voran hatte die Chicagoer Schule großen Einfluss auf die Entwicklung der Feldforschung. Anlässlich der alltagsnahen Forschung der Chicagoer Schule, stellte die Feldforschung eine passende Methode dar.[13] Als nächsten Meilenstein, Anfang der 1930er Jahre, ist die Arbeit von Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel herauszustellen, da diese Forscher erfolgreich qualitatives und quantitatives Datenmaterial miteinander kombinierten.[14]

[...]



[1] Vgl. Bohnsack (2007), S. 9 – 12

[2] Zitiert nach Hitzler in Bohnsack 2006, S. 48

[3] Vgl. Flick/Kardorff/Steinke 2007, S. 390

[4] Vgl. Hünersdorf/Meader/Müller 2008, S. 30

[5] Vgl. Tenorth/Tippelt 2007, S. 220

[6] Vgl. Bargatzky 1997, S. 11

[7] Vgl. Bohnsack 2006, S. 49

[8] Vgl. Flick/Kardorff/Steinke 2007, S. 391

[9] Vgl. Bohnsack 2006, S. 49 – 51

[10] Vgl. Friebertshäuser/Prengel (1997), S. 506

[11] Vgl. Bortz/Döring (2006), S. 337

[12] Vgl. Friebertshäuser/Prengel (1997), S. 506

[13] Vgl. Bortz/Döring (2006), S. 337

[14] Vgl. Friebertshäuser/Prengel (1997), S. 506

Beispiel für eine systematische nicht teilnehmende Beobachtung

Hintergrund

Beobachtete Person: Mareike 5;4 J.
Beobachter: Praktikantin
Beobachtungsort: Kindergarten, Gruppenraum 
Beobachtungsanlass: Vorher wahrgenommene Kontaktschwierigkeiten des Kindes 
Gegenstand der Beobachtung: Überprüfung des Kontakt- und Sozialverhaltens bei M.

Vorgeschichte

Mareike wurde vor eineinhalb Jahren in den Kindergarten aufgenommen. Sie lebte vorher in einer anderen Stadt und ist nach der Trennung der Eltern mit ihrer Mutter zugezogen. Sie hat noch einen zwei Jahre älteren Bruder, der bereits in eine Grundschule geht. Die dreiköpfige Familie wohnt in einem großen Mehrfamilienhaus unweit des Kindergartens. Mareikes Sprachentwicklung ist zum Zeitpunkt der Beobachtung noch zurück. Sie verwendet teilweise noch kleinkindhafte Ausdrücke und verfügt nur über eine begrenzte Aufnahmefähigkeit verbaler Arbeitsanweisungen. Im Kontakt mit gleichaltrigen Kindern fällt auf, dass sie nur kurzfristig in der Lage ist, Spielkontakte zu knüpfen und  konzentriert ein Spiel durchzuhalten. 

Protokoll

Beobachtungstag: Di, 22.6.99
Beginn der Beobachtung: 9.56 Uhr
Ende: 10.19 Uhr 

9.56 / Mareike steht am Maltisch im Gruppenraum und bemalt mit großen schnellen Bewegungen ein Blatt Papier. (So wie ich aus 3 m Entfernung sehen kann, sind es bunte Linien, Kreise, diverse andere Formen.)

9.58 / Sie faltet das Blatt einmal zusammen, geht zu Petra (Erzieherin), gibt ihr das Blatt und sagt: "Ein Brief für dich, lies!" Petra liest (den imaginären Text): Liebe Petra, viele Grüße von Mareike." Sie gibt den Brief an Mareike zurück. Mareike lächelt (zufrieden). Sie geht zurück an den Tisch.

10.01 / Mareike geht (langsam) zurück in die Malecke, beugt sich über den Tisch und faltet den "Brief" erneut (diesmal etwas kleiner). Sie geht mit dem Papier zur Praktikantin, (die mit im Raum ist), und sagt: "Ich hab einen Brief". Sie faltet das Papier nochmals zusammen und gibt es der Praktikantin. Dann dreht Mareike sich um, geht zum Spielteppich, wo andere Kinder im Moment spielen.

10.03 / Sie bleibt in ca. 11�2 m Abstand einige Sekunden stehen, kommt zum Maltisch und faltet (hastig) ein weiteres Blatt. Sie schaut zur Erzieherin herüber und ruft: "Ich geh jetzt frühstücken." Mareike lässt das Blatt fallen und verlässt kurz den Raum. (Sie will zu ihrer Tasche im Flur.)

10.04 / Mareike betritt mit einer Frühstückstüte in der Hand wieder den Raum und geht (zielstrebig) zum Frühstückstisch. Sie setzt sich an den Frühstückstisch, wo bereits 2 andere Kinder - Christine und Nadine - und die Erzieherin sitzen

10.05 / Sie hält die Tüte hoch und fragt Petra (Erz.), die gerade Christine eine Apfelsine abschält, "Was habe ich mit?" Petra "errät" das in der Tüte befindliche Brötchen. Mareike öffnet (stolz, freudig") ihre Tüte und beißt ein kleines Stück Brötchen ab.

10.08/ (Unruhig) rutscht Mareike auf dem Stuhl hin und her, schaut sich im Zimmer um und spricht mit der kleineren Nadine, die ebenfalls frühstückt, über ihr Brötchen, das sie mit hat. Mareike bricht ein kleines Stück Brötchen ab und bietet es Petra an, die es dankend entgegennimmt. Den anderen Kindern am Tisch bietet sie in ähnlicher Weise kleine Brötchenstücke an. In kleinen Stückchen "knibbelt" Mareike am Brötchen und isst zuende. Sie faltet die Tüte zusammen.

10.12 / Mareike hat ihr Frühstück beendet. Circa eine Minute bleibt sie noch sitzen und schaut sich im Raum um. Sie steht auf und bringt das zusammengefaltete Papier in die Papiertonne in der anderen Ecke des Raumes. Sie geht durch den Raum, bleibt an einem Tisch stehen, wo 2 Jungen mit einem Holzpuzzle beschäftigt sind. Sie verweilt kurz und geht wieder zum Maltisch.

10.13 / Mareike steht neben der Erzieherin am Maltisch und entdeckt Markus unter dem Tisch. Sie bemerkt an Petra gewandt: " Markus ist da drunter." Sie bückt sich, kriecht unter den Tisch, kommt aber nach wenigen Sekunden wieder zum Vorschein.

10.14 / Mareike dreht sich um, holt ein Blatt Papier aus dem Beistellschrank am Maltisch und fragt Petra: "Machst du mir einen Drachen"" Nadine, die in der Nähe steht, mischt sich ein: " Das kann ich dir wohl auch zeigen." Beide falten den Drachen. Mareike malt ihrem Drachen ein Gesicht mit schnellen (kritzelhaften) Bewegungen. Dann malt sie auf Nadines Drachen Augen. Nadine protestiert. Jessica, ein weiteres Kind aus der Gruppe, fragt Mareike: "Soll ich dir eine Schultüte falten"" Mareike antwortet: "Ja." Jessica faltet eine  Schultüte und gibt diese Mareike. Mareike lächelt (freundlich).

10.19 / Ende der Beobachtung 

Weiteres Beispiel für eine teilnehmende Beobachtung, die weniger systematisch erfolgt ist

In einem Frage-/Antwortforum fand sich ein weiteres Beispiel einer systematischen Beobachtung, wobei diese ebenfalls in einem Kindergarten stattfindet, und aus der Perspektive einer Kindergartenerzieherin geschrieben ist. Im Original (teilweise gekürzt; W. S.): "Das gezielte Beobachten (…) ist mitunter sehr anstrengend und vor allem zeitaufwändig. Es ist eine Aufgabe, zu der man sich manchmal zwingen muss, weil sie zum einen ein Höchstmaß an Konzentration bei der Beobachtung abverlangt, zum anderen aber auch noch Zeit in der Nachbereitung braucht. (…) Wenn ich mir vornehme ein bestimmtes Kind zu beobachten, dann muss ich erstmal schauen, wann sich eine Situation findet, die geeignet ist. Wenn das Kind gerade bei einer Kollegin sitzt und sich ein Buch vorlesen lässt, ist das natürlich weniger spannend. Wenn es aber in ein Spiel vertieft ist, ganz egal ob allein oder mit anderen Kindern, kann das interessant werden.  Ich schnappe mir dann ein Klemmbrett und einen Stift und setze mich in einiger Entfernung zu den Kindern/ dem Kind. Und dann schreibe ich alles mit, was passiert. Also sowohl was das Kind sagt als auch was das Kind tut. Wichtig dabei ist, dass es völlig wertfrei geschrieben ist. Ich darf also nicht schreiben "Und dann hat sich xy fürchterlich geärgert" sondern ich schreibe ganz objektiv nur das auf, was ich sehe. Also statt "Xy baut einen Turm" - "Xy setzt einen Baustein auf den anderen.". Oder statt "Xy hat sich geärgert" - "Xy setzt sich in eine Ecke. Er wendet seinen Blick von den anderen ab.". Je neutraler es geschrieben ist, desto besser (wobei man natürlich immer zu einem bestimmten Anteil seine subjektive Wahrnehmung miteinfließen lässt). Nun kann es sein, dass ich sofort eine sehr interessante Situation beobachte. Es kann aber auch sein, dass ich zehn Minuten mitschreibe und nichts dabei rauskommt. Also ja, im Grunde ist alles interessant, auch wenn das Kind nur dasitzt und andere Kinder beobachtet. Oder wenn das Kind alle dreißig Sekunden etwas anderes macht und durch das ganze Zimmer läuft. Das sind auch aufschlussreiche Beobachtungen. Aber richtig schön ist es natürlich, wenn man eine Spielsituation beobachtet, bei der man das Gefühl hat, dass das Kind gerade etwas lernt, etwas begreift, selbst etwas interessant findet, etc. Das kann aber eben dauern, bis man so etwas beobachten kann. Im zweiten Schritt muss ich Zeit finden, mich an den PC zu setzen und meine Beobachtung abzutippen. Das klingt banal, ist aber gar nicht immer einfach. Schließlich besteht unsere Hauptaufgabe im Umgang mit den Kindern und da kann man nicht einfach mal sagen "ich bin dann mal ne halbe Stunde weg". Zu dem geschriebenen Text füge ich dann Fotos von der Situation hinzu, die ich während der Beobachtung noch nebenher gemacht habe. Außerdem formuliere ich eine Anrede an das Kind und eine Schlussbemerkung (wie zum Beispiel: "Ich habe gesehen, dass du dich heute lange mit den Bauklötzen beschäftigt hast. Ich finde es toll, wie lange du dich auf eine Sache konzentrieren konntest! Außerdem habe ich gesehen, dass Xy gerne bei dir mitspielen wollte und du hast ihm sofort ein paar Bauklötze abgegeben und ihn mitmachen lassen. Das fand ich schön, Xy hat sich bestimmt gefreut!".) Wenn ich das fertig geschrieben und ausgedruckt habe, muss ich eine ruhige Minute finden, in der ich dem Kind die Beobachtung vorlesen kann. Auch das ist einfacher gesagt als getan, so ein Vormittag im Kindergarten kann neben Stuhlkreis, Brotzeit und Garten ganz schön kurz sein. Gemeinsam mit dem Kind ordne ich das Blatt dann in sein Portfolio ein, einen Ordner, in dem die Entwicklung des Kindes mit Fotos, Zeichnungen, Beobachtungen usw. festgehalten wird. Die Kinder sind auf diese Beobachtungen wahnsinnig stolz. Das ist auch eines der Ziele, die wir beim Beobachten haben. Die Kinder sollen sich wahrgenommen fühlen. Sie sehen, dass ich sie sehe. Und dass ich auch genau hinschaue, was sie machen. Und dass sie nicht nur eines von vielen Kindern sind, sondern dass sie auch mal im Mittelpunkt stehen und etwas Besonderes sind.  Ich kann aus den Beobachtungen viel über die Kinder lernen. Ich erkenne, wie das Kind sich im Spiel mit anderen Kindern verhält. Wie es an Probleme herangeht. Welche Interessen und Vorlieben es hat. Wo es in seiner Entwicklung steht. Und vieles, vieles mehr. Außerdem kann sich durch immer wiederkehrendes Beobachten der Blick eines Erwachsenen auf das kindliche Spiel ändern. Wenn zum Beispiel in der Puppenecke ein riesiges Chaos herrscht, alle Puppen, Verkleidungssachen, das ganze Geschirr usw. auf dem Boden liegen, dann neigt man als Erwachsener dazu, nur Unordnung zu sehen, die schnell beseitigt werden muss. Wenn man dabei war, wie dieses Chaos entstanden ist, dann sieht man es oft anderes. Dann weiß man, warum was wo liegt und dass es eben nicht einfach nur dorthin geworfen wurde. Und wenn man solche Erlebnisse öfter hat, geht man anders damit um.  Für die Eltern sind Beobachtungen auch eine tolle Sache. Ich nutze sie oft als Einstieg in ein Elterngespräch und lese dazu eine Beobachtung vor. Die Eltern sind oft überrascht und rechnen das hoch an, dass sich jemand so viel Zeit allein für ihr Kind nimmt. Außerdem erfahren sie so, wie sich ihr Kind im Kindergarten verhält. Das kann ich ihnen natürlich auch erzählen, aber mit einer Beobachtung ist es eben noch viel genauer und viel "näher dran"."

Quellen

Kleine-Katthöfer, Günter (2001). Grundbausteine Sozialpädagogik - Arbeitsbuch für den Didaktik- und Methodikunterricht. Köln: Stam-Verlag.

http://www.gutefrage.net/ (16-11-29)


Inhaltsübersicht Forschungsmethoden der Psychologie und Pädagogik




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